Im ersten Beitrag „Die Zukunft des Finanzbereichs” dieser Blogserie haben wir festgestellt, dass der CFO den Wandel des Finanzbereichs steuern und der Fachbereich neue Erwartungen an das Finanzwesen im Unternehmen proaktiv angehen sollte. Mit Blick auf die Rahmenbedingungen dieses Wandels werden wir das Thema nun vertiefen. Der erste Punkt ist die Frage nach dem „Warum”.

Warum: Der Leitfaden

Das „Warum” bildet den übergeordneten Leitfaden. Es klärt, was die internen und externen Adressaten von uns erwarten können und in welche Richtung sich unsere Teams entwickeln sollten:

  • Wer: sind die Zielgruppen des Finanzbereichs?
  • Wie: wird der Wandel gesteuert?
  • Was: sind die richtigen Strategien?
  • Wo: im Unternehmen ist das Finanzteam aktiv?

Wer: Die Prioritätensetzung des Finanzbereichs

Die Prioritäten des Finanzbereichs ändern sich aufgrund der geschäftlichen Anforderungen und der Möglichkeiten neuer Technologien. Unsere Zeit und Energie wird sich von Compliance und Kontrolle auf Planung, Analyse und Kollaboration verlagern. So können wir echten Mehrwert liefern, statt einfach nur Geld zu zählen. Damit rückt das Controlling in den Mittelpunkt der Finanzfunktion. Wir brauchen einen Rahmen, der klar definiert, was genau die Abteilung verändern soll, um den CFO und die Fachbereiche in Zukunft zu unterstützen.

Wie: Steuerung des Wandels

Der Finanzbereich muss zusammen mit dem Top-Management das Ruder übernehmen, um strategische Veränderungen erfolgreich umzusetzen. Für das Controlling der nächsten Generation müssen Sie konsequent Werkzeuge und Methoden zur Automatisierung der Datenerfassung und Berichterstattung nutzen. Das wird zwar Zeit sparen, nur müssen Sie aber auch schneller Analysen und aussagekräftige Erkenntnisse liefern. Ihr Finanzwissen wird weiterhin gefragt sein. Sie vertreten den Standpunkt des CFOs, und um Ihre Ziele zu erreichen, brauchen Sie neben Ihrem Fachwissen auch Kommunikations- und Sozialkompetenz.

Dazu gehört auch, dass der Finanzbereich weiterhin ein guter Problemlöser bleibt. Sich mit Herausforderungen auseinanderzusetzen, faktenbasierte Empfehlungen zu erarbeiten und Erfolgsszenarien zu entwickeln sind Standard. Das Geschäft voranzutreiben heißt, einen Schritt weiter zu gehen und die richtigen Fragen zu stellen. Das ist nur auf der Grundlage Ihres Verständnisses für das Geschäft und detaillierter Finanzkenntnisse möglich. So können Sie Herausforderungen schon vor ihrem Eintreffen absehen und Fragen zu Themen stellen, die nicht direkt auf der Hand liegen. Mit diesen kreativen Fähigkeiten positioniert sich der Finanzbereich künftig im Kreis der strategischen Unternehmenssteuerung.

Was: Die Entscheidung für die richtigen Strategien

Ein Unternehmen besteht aus Tausenden von täglich getroffenen Entscheidungen. Wenn diese Entscheidungen nur um einen Bruchteil verbessert werden, verschafft sich das Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil. Der Finanzbereich hat die Möglichkeit, den strategischen Plan in das Tagesgeschäft zu integrieren und die stringente strategische Ausrichtung, die Flexibilität und die Effektivität der Geschäftstätigkeit zu erhöhen.

  • Finanzen

    Um die richtigen strategischen Entscheidungen entlang der Wertschöpfungskette zu treffen, muss das Controlling eher auf Frühindikatoren und Geschäftsfaktoren als auf historische Zahlen achten. Wir glauben, dass die Demokratisierung von Daten und Tools vielen Abteilungen Analysen und Prognosen ermöglichen wird; aber der Finanzbereich ist “zweisprachig”. Er spricht die Sprache des Business und des Finanzwesens und repräsentiert zugleich die Verantwortung des CFOs als Kapitalverwalter.

  • Planung

    Die klassischen Aufgaben von Planung, Budgetierung und Forecasting bleiben bestehen, aber Vieles davon wird durch Algorithmen erledigt werden, die erheblich genauere Vorhersagen treffen als Menschen. Re-Forecasting und schnelle Reaktionen auf externe Ereignisse werden eine obsessive Planung ersetzen. Das bedeutet, dass sich die Plandiskussion um strategische Entscheidungen und agile Wendepunkte zur Umsetzung von Krisenplänen dreht. Dies wird durch vielfältige What-if-Szenarien und Simulationen unterstützt.

  • Analyse

    Große Datenmengen führen zu großen Herausforderungen: Wie durchforstet man diese? Was ist davon relevant? Und was bringt echten Mehrwert? Einfacher gesagt als getan – hier trotzdem ein Leitsatz: Die gezielte Steuerung der Finanzen bedeutet, die Mission und das Geld unter einen Hut zu bekommen. Die Mission ist der Unternehmenszweck, der durch Strategie und Ziele umgesetzt wird. Beim Geld geht es darum, wie sich das Unternehmen finanziert. Die KPIs, Business Cases und Budgets bilden alle Möglichkeiten zur Darstellung dieser grundlegenden Aufgabe. Bei der Durchführung von Analysen sollten Sie sich fragen, ob Ihre Tätigkeit die Mission und die Finanzen optimal zusammenbringen.

Wo: An welcher Stelle im Unternehmen

Im Wesentlichen ist die Finanzabteilung überall dort aktiv, wo strategische Entscheidungen bezüglich der Finanzen getroffen werden. Das ist nahezu überall. Der Finanzbereich sollte mit allen Funktionen im Unternehmen zusammenarbeiten und sich nicht durch Silos oder Abteilungsbarrieren einschränken.

Auf der Unternehmensebene werden die Gesamtstrategie erstellt und die Unternehmensergebnisse konsolidiert. Im Idealfall wird das Finanzteam in die Strategiearbeit einbezogen, indem es verschiedene mögliche strategische Entscheidungen beurteilt und Empfehlungen aus wirtschaftlicher Sicht abgibt. Sobald die Entscheidungen getroffen sind, muss der Finanzbereich deren Erfolgsrate kontinuierlich überwachen und entsprechende Anpassungen sowohl auf Unternehmens- als auch auf Geschäftsbereichsebene vornehmen, wo die Strategie in praktikable Maßnahmen umgesetzt wird.

Fazit

Durch bessere strategische Entscheidungen wird das Unternehmen insgesamt wertvoller und liefert den Zielgruppen bessere Ergebnisse.

Dieser Rahmen ist der erste Schritt, und dieses oder ein ähnliches Vorgehen wird es Ihrem Finanzteam ermöglichen, die Zügel in die Hand zu nehmen und bessere, schnellere und zuverlässigere Einblicke und Empfehlungen zu liefern.