“Transformation, jetzt!” lautet die klare Aufforderung von Chief Financial Officers. Dabei müssen wir die Denkweise des gesamten Finanzteams berücksichtigen. Wie im vorangegangenen Beitrag dieser Serie “Die Ausrichtung für den neuen Finanzbereich” besprochen, bildet die Arbeit im Rahmen Ihrer Organisation den Leitfaden für die Transformation in Ihrem Finanzteam.

Wir haben mehrere Finanzexperten gebeten, uns ihre Einschätzung zur Controlling-Mentalität mitzuteilen, die ihrer Meinung nach für den heutigen und zukünftigen Erfolg nötig ist. In ihren Kommentaren heben sie übereinstimmend die Notwendigkeit hervor, die fachliche Expertise im Finanzbereich auf die strategische Ebene zu bringen. Dies geschieht, indem die alltäglich im operativen Geschäft getroffenen Entscheidungen in einen größeren strategischen Kontext gestellt werden: Unterstützt das die Unternehmensentwicklung? Woher wissen wir das? Der Fokus auf die zukünftige Verteilung von Finanzen und Ressourcen ist das, was das Controlling von anderen Finanzfunktionen unterscheidet und dazu beiträgt, dem Leitfaden des „Warum“ zu folgen.

Die richtigen strategischen Entscheidungen im Unternehmen umsetzen

Beiträge aus der Praxis zum „Warum“ des Controllings:

Gaileon Thompson, Senior Vice President, FP&A Group Manager, US Retail Bank Operations, Citibank, AFP Board of Directors

Das Controlling kann die Rolle des „Kritischen Hinterfragens“ übernehmen. Dabei stellt es Annahmen auf den Prüfstand, um sicherzustellen, dass die anvisierte Strategie realisierbar ist. Das Finanzteam kann dazu auch proaktiv Erkenntnisse einbringen, die die verfügbaren Daten und Finanzen zusammenführen. Damit lässt sich die Strategieentwicklung unterstützen.

Nikolaj Lynge, Head of Business Intelligence bei Maersk Supply Service

Heutzutage verlässt man sich bei unternehmerischen Entscheidungen auf vertrauenswürdige Berater, die erfolgskritische Empfehlungen aussprechen. Kern der Controlling-Mentalität ist diese Beraterrolle. Die Rolle setzt drei Grundlagen voraus: 1) einen Kapitalwert-(NPV)-Verstand zum Nachdenken über (fast alle) Entscheidungen; 2) einen neugierigen Geist, der verstehen will, wie Wert generiert wird; und 3) einen Teamansatz, der sicherstellt, dass Entscheidungen dem Unternehmen nützen.

Geetanjali Tandon, Digital & IT Transformation Finance Lead bei Bayer Crop Science, Chair of the AFP FP&A Advisory Council

Ein Finanzprofi schaut sich nicht nur die Zahlen an, sondern versucht, durch detailliertes Nachforschen die Story hinter den Zahlen zu verstehen. Mit diesem tiefen Wissen kann das Controlling der Unternehmensleitung helfen, über die strategischen Entscheidungen nachzudenken und über die mögliche Story, die diese Entscheidung im Rahmen der Vision und Mission des Unternehmens hervorbringt. Ein Finanzanalyst nutzt nicht nur die Finanzdaten, sondern auch Markttrends und Wirtschaftsindikatoren. Er arbeitet mit der gesamten Organisation zusammen, um die Voraussetzungen für Auswirkungen von Entscheidungen zu verstehen. Dieses Vorgehen zeichnet den Finanzprofi aus: Er bezieht dabei verschiedene Perspektiven ein, um sich das Gesamtbild zu erarbeiten und aus Zahlen eine Geschichte abzuleiten.

Tania Trifunoski, kaufmännisch orientierte Leiterin für Financial Planning and Analysis

Man muss neugierig sein, um die strategischen Überlegungen der wichtigsten Entscheidungsträger zu entwickeln, zu hinterfragen und zu unterstützen. Man braucht Mut, um historische Daten zu durchforsten und aufzuzeigen, an welcher Stelle ein Risiko für eine strategische Möglichkeit besteht. Auch bedarf es einer Art Kristallkugel, um die Auswirkungen der strategischen Optionen finanziell abzubilden. Zudem ist Klarheit über das Wachstumsumfeld des Unternehmens notwendig. Das ermöglicht Wachsamkeit und Anpassungsfähigkeit, während man zur gewünschten Strategie steuert.

Wie entwickelt man eine strategische Denkweise im Finanzbereich?

Bei der Strategie geht es darum, Entscheidungen zu treffen. Strategische Rahmenbedingungen sind Werkzeuge, die Ihnen helfen, Optionen und Maßnahmen zu entwickeln und abzuwägen. Hier sind vier Möglichkeiten, mit denen Sie diese strategische Denkweise fördern können:

  • Neugierde: Stellen Sie Fragen, um zu gewährleisten, dass 1) Optionen durchdacht werden und 2) jede Option gleichwertig evaluiert wird. 3) Erlauben Sie sich, querzudenken und die Daten, das Geschäft und die getroffenen Prämissen zu erforschen.
  • Mut: Sie müssen den Mut aufbringen, Fragen zu stellen. Auch dann, wenn es bedeutet, das Top-Management damit herauszufordern, welche strategischen Optionen für das Unternehmen am besten passen und welche taktischen Möglichkeiten Sie dorthin führen.
  • Kristallkugel: Sie müssen vorausschauend erwägen, was passieren könnte, wenn eine bestimmte Entscheidung getroffen wird. Entwickeln Sie Ihre kreative Fähigkeit, um mehrere Ergebnisse vorherzusagen, bringen Sie Klarheit in Annahmen und geben Sie eine Empfehlung ab.
  • Klarheit: Streben Sie nach Klarheit in Ihren Präsentationen, um die Kommunikation und Abstimmung zu fördern. Das kann persönliche Treffen oder Visualisierungen bedeuten. Auf jeden Fall sind Zuhören und Aufmerksamkeit gegenüber Ihrem Ansprechpartner wichtig.

Ihre Denkweise bestimmt das Handeln, das wiederum die Reaktionen Ihrer Adressaten beeinflusst. Der Erfolg basiert dabei auf dem Team, das stimmig zusammenarbeitet. Der Finanzbereich hat viel zu bieten – und diese Denkweise auch wirklich in das gesamte Unternehmen einzubringen, ist erfolgsentscheidend.

Wie wollen Sie diese Elemente in die strategische Denkweise Ihres Teams übernehmen? Haben Sie die Tools, die Sie benötigen, um fundierte Entscheidungen auf der Grundlage genauer Daten zu treffen? Wie können Sie Ihr Finanzteam am besten unterstützen, damit es Planung, Budgetierung und Forecasting verbessern kann?