Wir sprechen seit Ewigkeiten über eine digitale Transformation im Finanzwesen. Einige sind schon weit gekommen, während andere noch in den Kinderschuhen stecken. Weil wir gerade eine schwere Krise durchmachen, in der mehr Menschen denn je aus dem Homeoffice arbeiten und digitale Werkzeuge nutzen, ist es an der Zeit, Tacheles zu reden.

Im Moment haben wir es mit zwei fast schon extremen Fällen zu tun:

  • Einerseits befinden wir uns in einer Zeit, in der die digitale Transformation theoretisch komplett durchgezogen werden kann, weil alle Instrumente zur Verfügung stehen.
  • Andererseits haben viele Unternehmen immer noch Probleme beim Transformationsprozess und stecken bei den grundlegendsten Prozessen wie der Intercompany-Abstimmung fest.

Wie können wir diese Probleme lösen und den Wandel abschließen? Wichtiger noch: Wie wird die Finanzfunktion danach aussehen? Wird sie zu 100 % digitalisiert oder wird es noch Menschen geben, die sich damit befassen müssen? In dieser Woche erörtern wir, was nötig ist, um die Transformation voranzutreiben und die erheblichen Hürden zu überwinden, vor denen viele Unternehmen stehen.

Wie lösen wir die Herausforderung der technologischen Altlasten?

Das Hauptproblem ist, dass große und/oder ältere Unternehmen unter ERP-Altsystemen leiden. Diese Systeme wurden damals genau an die Bedürfnisse der Unternehmen angepasst und die Implementierung hat vermutlich Jahre gedauert und war mit hohen Berater- und Schulungskosten verbunden.

Während man diese Ausgaben als Sunk Costs betrachten könnte, versuchen viele Entscheider immer noch mehr Ertrag aus der Investition zu ziehen, und es fällt ihnen schwer, ihr derzeitiges System aufzugeben. Darüber hinaus sind individuelle Anpassungen aufgrund der Systembeschaffenheit sehr schwierig und (wieder) teuer. Die Unternehmen befinden sich in einer Zwickmühle, in der sie weder bereit sind, ihr derzeitiges System aufzugeben, noch können sie es wirksam ändern, um es besser an die heutige Realität und die neuen Anforderungen anzupassen.

Aus diesem Grund sind diese Unternehmen jetzt in einer digitalen Transformation im Schneckentempo gefangen. Doch was ist zu tun? Mir kommen zwei Ideen in den Sinn:

  1. Neben dem Altsystem eine komplett neue Plattform für ERP aufbauen. Entweder mit einem Standardsystem oder einem „Best-of-Breed“-System, das die Anforderungen genau erfüllt.
  2. Einen agilen Transformationsansatz wählen und die Prozesse Schrittweise digitalisieren – mit Systemen, die genau zu den Anforderungen passen.

Die erste Idee ist wahrscheinlich die sicherste, aber auch die teuerste, weil nebenbei ein separates Team an dem Projekt arbeiten muss. Es wird auch eine Weile dauern, bis die Veränderung sichtbar wird. Darüber hinaus werden Sie wahrscheinlich Ihre geschätzten Finanzexperten aus ihrem Tagesgeschäft herausholen müssen, oder viel Zeit in Workshops verbringen, um den Aufbau der neuen Plattform zu unterstützen.

Die zweite Idee ist riskanter, da Teile der Finanzfunktion ständig auf eine bessere digitale Plattform umgestellt werden. Sie wird jedoch wahrscheinlich erschwinglicher sein und es dürfte auf dem Weg dorthin viele kleinere Errungenschaften geben. Dennoch würde es immer den größten Teil der Organisation einbeziehen, was bedeutet, dass die Umwandlung eher eine Arbeitsweise als ein separates Projekt darstellt. Das wiederum erfordert eine Umstellung in der Arbeitskultur, um agiler zu werden.

Um unsere Entscheidung zu treffen, sollten wir uns an die Geschwindigkeit des Wandels erinnern, die wir während der Krise erreicht haben. Plötzlich wurden Dinge, über die wir jahrelang geredet hatten, die wir aber nie weiterentwickelt haben, innerhalb weniger Wochen möglich. Wir haben die Zykluszeit unserer Berichterstattung so verändert, dass wir beinahe in Echtzeit wichtige Informationen gewinnen und weitergeben können, arbeiten virtuell mit Menschen auf der ganzen Welt zusammen und erreichen so einen viel effektiveren Problemlösungsprozess.

Könnten wir diesen Impuls nutzen, um einen agilen Ansatz voranzutreiben, bei dem die Änderung eines Systems keine Frage von 12–18 Monaten ist, sondern etwas, das in 3 Monaten erledigt werden kann? Könnten wir einen digitalen Innovationsprozess schaffen, bei dem alle zwei Wochen ein neues Produkt veröffentlicht wird, damit die Finanzfunktion effizienter und effektiver arbeiten kann?

Das ist die Herausforderung, der wir uns stellen müssen, und die agile Transformation könnte die Antwort sein!

Was wird passieren, wenn die Transformation abgeschlossen ist?

Die Transformation wird wahrscheinlich nie abgeschlossen sein, weil immer bessere Instrumente und Systeme auf den Markt kommen. Abgesehen davon gibt es wahrscheinlich Grenzen für das, was in absehbarer Zukunft im Finanzwesen digitalisiert werden kann. Hier ist ein grober Überblick darüber, wie weit wir auf dem Weg der Automatisierung gehen könnten:

Automation In Fpna Anders Liu Lindberg

Heute sind wir noch nicht dort, wo wir hinwollen. Digitale Instrumente werden unsere Fähigkeit, das zu liefern, was das Unternehmen vom Finanzwesen benötigt, erheblich verbessern. Wir brauchen effiziente Prozesse, in der die Controller die Entscheidungsträger herausfordern können, bessere Entscheidungen zu treffen und sogar ihre eigenen Empfehlungen auf den Tisch zu bringen. Lassen Sie uns daher versuchen, diese allgemeinen Fragen zu beantworten.

  • Wird es im Finanzwesen in Zukunft noch arbeitende Menschen geben? Auf jeden Fall!
  • Werden sich ihre Aufgaben ändern? Klar!
  • Aber: Nein, das Finanzwesen wird nicht zu 100% digitalisiert werden.

Wo stehen Sie auf dem Weg der digitalen Transformation und welche Rolle sehen Sie für den Menschen? Würden Sie einen agilen Ansatz für die digitale Transformation in Betracht ziehen? Dann wenden Sie sich an uns, um Ihren Fall zu diskutieren. Wir können gerne einen gemeinsamen Artikel erarbeiten.