Rolling Forecasts oder rollierende Forecasts bezeichnen einen bestimmten Forecastingansatz, der die Unternehmenssteuerung unterjährig begleitet. Was das Besondere an diesem Ansatz ist, wie er funktioniert und warum sich immer mehr Unternehmen für die Nutzung rollierender Forecasts entscheiden, erklären wir in diesem Blogbeitrag, mit dem wir gleichzeitig eine neue dreiteilige Serie zum Thema starten.

Wenn Sie Ihr Wissen grundlegend auffrischen möchten, erklären wir Ihnen hier Allgemeineres zum Thema Forecasting. Falls Sie bereit sind, direkt in das Thema einzutauchen, springen Sie am besten direkt zur zweiten Zwischenüberschrift.

Grundlagenwissen Forecasting

Forecasts kommen als Steuerungsinstrumente zum Einsatz und eignen sich besonders für mittlere und große Unternehmen, in denen viele Abteilungen und/oder Niederlassungen vernetzt sind, wodurch eine gewisse Komplexität vorherrscht. Mit dem Forecasting will man zu erwartende Abweichungen vom Plan frühzeitig erkennen, um entsprechend darauf reagieren zu können – bspw. durch Budgetanpassungen. Wann und wie oft geforecastet, und mit welchen Daten dabei gearbeitet wird, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Gemeinsamkeiten findet man vor allem innerhalb von spezifischen Branchen oder Märkten. Es kann sowohl regelmäßig als auch unregelmäßig – also bedarfsabhängig „ad-hoc“ – geforecastet werden. Dabei ist es wichtig festzuhalten, dass Forecasts nicht als Vorhersagen zu verstehen sind, sondern als Anhaltspunkte für notwendige Änderungen in der Unternehmenssteuerung, um die festgelegten operativen und strategischen Ziele zu erreichen.

Dafür können Forecasts sowohl in unterschiedlichen Abteilungen, bspw. als Vertriebs- oder Finanzforecast, als auch anhand unterschiedlicher Basiswerte erstellt werden. Denkbar sind etwa Planwerte gegen Forecastwerte oder Ist-Werte gegen Forecastwerte als Vergleichsbasis. Auch der Detaillierungsgrad ist je nach Anwendung individuell auszuloten. Für den Forecast selbst können Sie dabei sehr unterschiedliche Daten mit einfließen lassen. Bestimmte Werttreiber wie Preise oder Mengenzahlen können dabei genauso berücksichtigt werden wie Nicht-Finanzdaten (bspw. Auswirkungen durch neue Wettbewerber am Markt). Generell ist es aber empfehlenswert, die verschiedenen Daten für den Forecast zwar präzise, aber überschaubar zu halten, um den Aufwand zu reduzieren und gleichzeitig die Flexibilität des Instruments ideal zu nutzen.

Gemein haben alle Forecasts, dass sie für einen bestimmten Zeitraum erstellt werden, also etwa für ein Jahr, ein Quartal, einen Monat oder gar tagesweise. Welcher Zeitraum dabei sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Branche und der aktuellen oder standardmäßigen Marktvolatilität in einem Sektor ab.

Rolling Forecasts als Controllinginstrument

Rollierende Forecasts werden regelmäßig unterjährig erstellt und dienen entweder als Ergänzung zum Geschäftsjahres-Forecast, -budget und anderen Plänen oder ersetzen den jährlichen Forecast komplett. Für das rollierende Forecasting legen Sie sich auf ein Intervall fest, in dem Sie Forecasts erstellen und überprüfen. Welches Intervall dabei das richtige ist, lässt sich nicht universell beantworten, sondern ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich zu bewerten.

Rolling Forecast Beispiel

In der Grafik oben ist beispielhaft ein quartalsweises Intervall mit einem Forecasthorizont von 12 Monaten abgebildet. Ebenso denkbar ist aber ein wöchentliches oder monatliches Intervall – analog verhält es sich für den Horizont des Forecasts. Bildlich gesprochen handelt es sich dabei um die Größe der sich vorausbewegenden „Rolle“, die immer gleichbleibt, weil mit jedem Intervall ein neuer Forecast hinten angehängt, bzw. der bestehende 12-Monats-Forecast erweitert wird. Wichtig ist dabei, dass das Forecasting genauer, aber gleichzeitig auch zunehmend zeitintensiv ist, je öfter es stattfindet (Intervall), und umso ungenauer wird, je weiter der Forecasthorizont gefasst ist. Da wir Forecasts aber als Steuerungsinstrument begreifen, ist eine höhere Ungenauigkeit kontraproduktiv.

Rollierende Forecasts sind als Managementwerkzeug hilfreich, weil im Gegensatz zu Jahresplänen immer der gleiche Zeithorizont in den Blick genommen wird (z. B. 12 Monate) – unabhängig vom laufenden Geschäftsjahr. Das Problem der traditionellen Jahrespläne, dass gegen Ende eines Jahres nur noch für wenige oder gar nur einen Monat Plandaten bereitstehen, um informierte Entscheidungen zu treffen, entfällt somit. Zudem sind die Forecastwerte damit aktueller und somit nützlicher, um informierte Entscheidungen zu treffen und Ihr Unternehmen in unsicheren Zeiten auf Kurs zu halten.

In unserem nächsten Beitrag zur Serie mit dem Thema Rolling Forecasts besprechen wir, wann es sinnvoll ist, diese in Ihre Planungsprozesse einzubinden und wo sich die Umsetzung besonders lohnt.