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AI-Lock-in: Die unsichtbare Gefahr für menschliches Fachwissen

Inhaltsübersicht

Das Risiko des Kompetenzverlusts erkennen

Die Diskussion über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen dreht sich häufig um Geschwindigkeit, Skalierbarkeit oder den technischen Umbruch. Doch darunter liegt eine viel grundlegendere Frage: Was passiert mit menschlichem Fachwissen, wenn wir es nicht mehr aktiv anwenden? Genau mit dieser Frage beschäftigt sich Gartner in seiner aktuellen Analyse zum Thema „AI-Lock-in“ – einem zunehmenden strategischen Risiko, das weit über Technologie hinausgeht und direkt die Leistungsfähigkeit von Unternehmen betrifft.

Gartner warnt: Automatisierung erzeugt eine neue Form der Abhängigkeit – den AI-Lock-in. Dieser entsteht, wenn Mitarbeitende grundlegende Aufgaben vollständig an KI abgeben und dadurch essenzielle Kompetenzen nach und nach verloren gehen. Ohne diese Fähigkeiten können Teams KI-Ergebnisse nicht mehr hinterfragen, verbessern oder Fehler korrigieren.

Tatsächlich prognostiziert Gartner, dass bis 2028 rund 40 % der Mitarbeitenden von KI und nicht mehr von Menschen geschult werden. Gleichzeitig nehmen Mentoring-Formate spürbar ab. Wenn Automatisierung unkontrolliert voranschreitet, könnten bis 2030 die Hälfte aller Unternehmen unter einem nicht mehr umkehrbaren Fachkräftemangel leiden. Bereits 2028 soll ein Drittel aller Entscheidungen von KI-Agenten getroffen werden. Doch wenn diese Entscheidungen ohne menschliche Kontrolle erfolgen, steigt das Risiko von operativen Fehlentscheidungen und Reputationsschäden erheblich.

Gartner ordnet AI-Lock-in auch als systemisches Risiko ein: Wenn zentrales Fachwissen erst einmal ausgehöhlt ist, sinkt die Resilienz des gesamten Unternehmens – also die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren, sich anzupassen und Innovationen voranzutreiben. Und da sich solch ein Wissen nicht über Nacht wieder aufbauen lässt, ist der Verlust in vielen Fällen kaum oder gar nicht reversibel.

Was bedeutet „Skill Erosion“?

Kompetenzverlust (Skill Erosion) tritt ein, wenn Mitarbeitende grundlegende Aufgaben nicht mehr selbst durchführen, sondern vollständig an KI übergeben. Mit der Zeit schwindet dadurch ihre Fähigkeit, KI-generierte Ergebnisse zu hinterfragen, zu interpretieren oder zu verbessern. Die Folge: institutionelles Wissen geht verloren, die Anpassungsfähigkeit sinkt, Fehler bleiben unentdeckt – und Unternehmen werden immer abhängiger von Technologie, während ihre Eigenständigkeit abnimmt.

Effizienz ist nicht alles: Den Menschen wieder ins Zentrum rücken

Statt künstliche Intelligenz grundsätzlich abzulehnen, fordert Gartner Führungskräfte dazu auf, gezielt in Kompetenzaufbau und Wissenssicherung zu investieren – damit menschliches Fachwissen die Automatisierung sinnvoll ergänzt. Zu den Empfehlungen gehören: KI-Fehler systematisch überwachen, erfahrene Mitarbeitende halten, manuelle Prüfmechanismen etablieren und insbesondere jene Rollen gezielt weiterentwickeln, die am stärksten von Automatisierung durch KI betroffen sind. Ebenso wird empfohlen, KI bewusst mit menschlicher Kontrolle zu kombinieren und Mitarbeitenden gezielt die Möglichkeit zu geben, kritische Fähigkeiten sowohl in der Praxis als auch mithilfe KI-gestützter Simulationen weiterzuentwickeln.

Branchenstimmen greifen diesen Ansatz auf, betonen jedoch, dass die Lösung nicht darin besteht, die Einführung von KI zu verlangsamen, sondern sie richtig einzusetzen. Dr. Rolf Gegenmantel, Chief Product Officer bei Jedox, merkt an: Im Finanzbereich war Präzision schon immer unverhandelbar. „Seit Generationen werden Controller und Finance-Teams dahingehend geschult, hinter ihren Zahlen zu stehen, sie zu verstehen, zu erklären und zu verteidigen“, erklärt er. In diesem Kontext solle KI die Arbeit beschleunigen und die analytische Perspektive erweitern, nicht aber die Verantwortung für komplexe Entscheidungen übernehmen.

Gegenmantel betont, dass KI ihren wahren Wert dann entfaltet, wenn sie die Geschwindigkeit, den Umfang und die Tiefe von Analysen erhöht, große Datenmengen verarbeitet, Alternativen aufzeigt und neue Erkenntnisse liefert, während der Mensch weiterhin die Verantwortung für das Warum und Wie jeder Entscheidung behält. „Führungskräfte müssen auch künftig erklären können, wie ein Ergebnis zustande kam und warum es sinnvoll ist“, ergänzt er. „Geht dieses Verständnis verloren, endet das Lernen, das Hinterfragen, und letztlich auch die Kontrolle. Dann wechselt ein Unternehmen von der aktiven KI-Nutzung zur passiven Abhängigkeit.“

Upskilling und menschenzentriertes Design als Schlüssel

Der Mangel an Fachkompetenz bremst bereits heute die Einführung generativer KI aus. Laut einer aktuellen Umfrage von McKinsey glauben 47 % der C-Level-Führungskräfte, dass ihre Unternehmen aufgrund des Fachkräftemangels zu langsam bei der Entwicklung und Implementierung von KI-Tools sind. 46 % sehen KI-spezifische Kompetenzlücken als das größte Hindernis.

McKinsey empfiehlt Unternehmen, gezielt KI-Fachkräfte einzustellen und parallele Weiterbildungsprogramme aufzusetzen, bei denen auch nicht-technische Mitarbeitende frühzeitig in KI-Projekte eingebunden werden. Führungskräfte sollten neue Kompetenzanforderungen transparent kommunizieren und menschenzentrierte Entwicklungsstrategien verfolgen, damit KI als Partner zur Stärkung menschlicher Handlungsfähigkeit dient und nicht als Bedrohung wahrgenommen wird.

jedox ai social de

Ein nachhaltiger KI-Ansatz mit JedoxAI

Gartners Analyse macht deutlich: AI-Lock-in ist kein unausweichliches Schicksal, sondern eine direkte Folge unternehmerischer Entscheidungen. Unternehmen, die KI gezielt mit Weiterqualifizierung, einer Neugestaltung von Rollen und technologischer Flexibilität kombinieren, sichern sich langfristig den Zugang zu Fachkräften und bewahren ihre strategische Flexibilität.

Bei Jedox verfolgen wir bewusst einen grundlegend anderen Ansatz im Bereich Enterprise Planning mit KI. Unsere Philosophie beruht auf einem einfachen Prinzip: Fachkräfte stärken – nicht ersetzen.

JedoxAI wurde entwickelt, um bestehende Finance- und Planungsteams zu unterstützen – nicht zu verschlanken. Durch die Automatisierung repetitiver Aufgaben und Daten-Workflows schafft die Plattform Freiräume für Experten, sich auf wichtige strategische, wertschöpfende Entscheidungen zu konzentrieren.

Dabei bleibt der Mensch stets Teil des Prozesses. Fachanwender:innen sind aktiv in entscheidenden Prozessschritten eingebunden, treffen kritische Entscheidungen selbst und behalten den vollständigen Überblick darüber, wie KI-generierte Ergebnisse entstehen.

Integrierte Audit-Trails sorgen dafür, dass alle Insights und Forecasts transparent und nachvollziehbar bleiben – ein zentraler Aspekt, den auch Gartner als essenziell identifiziert. Auf diese Weise ermöglicht es JedoxAI den Unternehmen, Automatisierung verantwortungsvoll zu skalieren – und dabei gleichzeitig Fachwissen, Urteilsvermögen und Verantwortlichkeit als zentrale Treiber nachhaltiger Performance zu bewahren.

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David Moschini ist Global Product Content Manager bei Jedox mit über 10 Jahren Erfahrung im Content Marketing und mehr als 6 Jahren im Finanzbereich und B2B-SaaS. Er übersetzt komplexe Themen in klar strukturierte Inhalte, die Leser:innen helfen, die Herausforderungen datengetriebener Entscheidungsprozesse souverän zu meistern.
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