Interview mit Rebecca Watson, Data Analyst AI, Jedoxian

Der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft wurde 2015 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um die Rolle von Frauen und Mädchen in Wissenschaft und Technik zu würdigen. Seitdem kommen Frauen am 11. Februar in vielen Organisationen und Unternehmen zusammen, um ihre Erfahrungen im Wissenschaftsbereich auszutauschen. Wir haben mit Rebecca Watson, Data Analyst AI bei Jedox, gesprochen.

Du hast die Initiative bei Jedox mitbegründet. Warum ist dieser Tag so wichtig?

Mädchen werden von klein auf aus dem MINT-Bereich (Anm. d. Red.: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gelenkt, indem ihnen Dinge wie „Mathematik ist etwas, das für Jungen leichter ist“ und andere Stereotypen, die einfach nicht wahr sind, vermittelt werden.

Mit dem Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft zeigen wir Mädchen und allen anderen auf, dass es durchaus möglich ist, als Frau in diesen Bereichen zu arbeiten – auch in Führungspositionen. Ich hoffe, dass Mädchen es in Zukunft leichter haben werden, Jobs in den Bereichen zu bekommen, für die sie angeblich aufgrund ihres Geschlechts nicht geeignet sein sollen.

Du arbeitest bei Jedox in einem wissenschaftlichen Bereich – was macht diese Arbeit für dich so attraktiv?

Ich arbeite in der Forschungsabteilung von Jedox, genauer als Datenanalystin. Von klein auf liebe ich Computer, sei es zum Spielen oder zum Staunen darüber, wie einfach sie uns das Leben machen können. Das erste Programm, das ich geschrieben habe, war für einen grafikfähigen Taschenrechner, als ich 14 war. Es schien wie Magie, mit einem Computer sprechen zu können und von ihm Antworten zu erhalten. Seitdem habe ich immer eine Ausrede gefunden, um neue Dinge über die Technologie zu lernen und Wege zu finden, mit ihr zu arbeiten.

Die Arbeit mit dem KI-Team bei Jedox ist wahrscheinlich eine der coolsten Sachen, die ich je gemacht habe, weil ich einen Teil eines Produkts entwickle, das den Kunden mit maschinellem Lernen und KI vertraut macht, ohne ein KI-Experte sein zu müssen. Technologien einfach zugänglich zu machen, ist ein unglaubliches Gefühl.

Wie hast du dich entschieden, Datenanalystin zu werden?

Als ich mein Studium begann, hoffte ich, in einem technischen Bereich zu arbeiten. Leider machte ich im ersten Semester meines Mathematikstudiums eine miese Erfahrung, die damit endete, dass ich den Studiengang wechselte. Danach arbeitete ich als Journalistin und wechselte später ins Marketing. Ich fand dabei immer einen Weg, mich bei meiner Arbeit mit Daten zu beschäftigen.

Ich koordinierte staatliche Aufzeichnungen für eine Wirtschaftszeitung und half anderen Journalisten bei der Recherche für Artikel, indem ich mein Wissen über Datenbanken nutzte. Im Marketing suchte ich immer nach einem Vorwand, um die Daten der verschiedenen Kampagnen, die wir durchführten, zu analysieren. Als ich in eine leitende Funktion wechselte, hatte ich weniger Gelegenheit, mit Daten zu arbeiten, und mir wurde klar, wie unzufrieden ich mit der Arbeit in meinem Bereich war. Bei der eigenen Evaluation, welche Teile meiner Arbeit mir am besten gefallen, stand die Arbeit mit Daten immer an erster Stelle. Ich habe das Glück, einen Partner zu haben, der mich unterstützt und konnte mir so eine Auszeit nehmen, um mich im Bereich der Arbeit mit Daten weiterzubilden.

Seit ich für Jedox arbeite, kann ich sagen, dass diese Entscheidung die richtige war. Ich gehe jetzt gerne zur Arbeit – im Gegensatz zu früher.

Was würdest Du anderen Frauen empfehlen, die über einen Job in der Wissenschaft oder Technik nachdenken?

Tu das, was dich interessiert. Studiere nicht etwas, nur weil es jemand von dir verlangt. Und wenn jemand sagt, dass ein Bereich oder Studiengang nichts für dich ist, obwohl du Lust darauf hast, entscheide dich trotzdem dafür.

Es wird nicht immer einfach sein, aber es ist möglich! Suche die Nähe von Menschen, die dich unterstützen, anstatt dich mit Menschen abzugeben, die das Gegenteil tun. Um Hilfe bitten und Hilfe anzunehmen ist nichts Schlechtes. Schaue dich nach Organisationen um, die bereit sind, in dich und deine Zukunft zu investieren – sei es durch ein Mentorenprogramm oder ein Stipendium. Nimm die Unterstützung, die du bekommen kannst und kämpfe für die Unterstützung, die du brauchst. Vergiss dabei aber niemals, dass es darum geht, Spaß zu haben und das zu tun, was du liebst.

Letzte Frage – was sind deine größten Erfolge und welche Pläne hast du für die Zukunft?

Es gibt viele Dinge, die ich in meinem Leben getan habe, auf die ich stolz bin. Als Journalistin erhielt ich ein Stipendium des Dow Jones Newspaper Fund und arbeitete bei der (damals) 13. größten Zeitung der USA, dem Leitmedium von Minnesota. Als Marketingexpertin habe ich eine ganze Social Media- und Blog-Plattform für ein Softwareunternehmen aufgebaut, das unter anderem eine Software zur Erstellung von Comics entwickelte.

Ich habe mit vielen talentierten Künstlern zusammengearbeitet und wurde sogar dafür bezahlt, einen lang gehegten Traum zu verwirklichen, nämlich zur San Diego Comic Con zu gehen. Als meine größte Errungenschaft im letzten Jahrzehnt sehe ich aber meinen Umzug von den Vereinigten Staaten nach Deutschland, um in Freiburg Wurzeln zu schlagen und meine Karriere zu verändern.

Was die Zukunft betrifft, so möchte ich mehr über Datenwissenschaft und Programmierung lernen und dieses Wissen nutzen, um die Bedienung der KI-Komponente von Jedox noch überzeugender und einfacher zu machen. Ich stehe auch in Kontakt mit GirlsWhoCode, einer amerikanischen Organisation, die Mädchen Programmierkenntnisse vermittelt und ihre internationalen Clubs ausbauen möchte (neben den USA gibt es auch Clubs in Großbritannien und Kanada). Sobald die Bewerbung in Europa abgeschlossen ist (angepeilt ist dieses Jahr), beabsichtige ich – mit Hilfe von Organisationen wie Jedox – eine Gruppe in Freiburg zu gründen. In den kommenden Jahren möchte ich außerdem an einem Mentoring-Programm teilnehmen.

 

Wir danken Rebecca dafür, dass sie sich die Zeit genommen hat, mit uns zu sprechen. Bei Jedox legen wir Wert auf Gleichberechtigung und freuen uns, dass viele unserer Kolleginnen am 11. Februar die Gelegenheit zu Diskussionen und zum Austausch von Erfahrungen und Ideen in unserem Hauptsitz in Freiburg genutzt haben. Nur wenn wir wichtige Themen kommunizieren, können wir damit beginnen, sie zu verändern.