Warum Big Data-Tools allein Sie nicht weiterbringen: Interview mit Prof. Dr. Reinhard Ginnold (HTW Berlin) über Jedox in der Lehre

Als Softwarehersteller im Controlling-Umfeld ist die Förderung des akademischen Nachwuchses eine elementare Säule der Jedox-Strategie. Aus diesem Grund ermöglicht Jedox jeder staatlich anerkannten Hochschule, sich für kostenlose Jedox-Lizenzen zu bewerben und diese im Rahmen von Seminaren und Projekten zu nutzen. Seit der Einführung des Jedox-Hochschulprogramms 2006 wurden bislang weit über 50 Universitäten weltweit mit kostenfreien Lizenzen unterstützt. 

Prof. Dr. Reinhard Ginnold, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin (seit Oktober 2014 im Ruhestand), im Gespräch mit Diana Kuch, Communications Specialist der Jedox AG, zum Einsatz von Jedox BI-Technologie an der HTW Berlin und den Vorteilen für Unternehmen.

Jedox: Herr Prof. Ginnold, warum hat die HTW Berlin beschlossen, dem Thema „Business Intelligence“ eigene Lehrveranstaltungen im Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik zu widmen?

Prof. Dr. Reinhard Ginnold: Gemeinsam mit meinen Fachkolleginnen und Fachkollegen haben wir bei der Konzipierung des Masterstudienganges überlegt, wie man Kräfte bündeln kann, um wirtschaftliche und Informatik-Themen noch besser zu verzahnen. Es ist unser Ziel, BWL-Inhalte und -Prozesse so zu verbinden, dass sie mit den technischen Möglichkeiten der Informatik gelöst werden können. Wirtschaftsinformatiker sind Mittler „zwischen den Welten“, die es gilt, zusammenzubringen, um schlussendlich dem Controlling und dem Management ein attraktives Angebot zu bereiten. Die Lösungsstrategie der HTW Berlin war daher, ein aufeinander abgestimmtes Curriculum so umzusetzen, dass wir den Master-Studierenden Business Intelligence- und Data Warehouse-Themen in mehreren aufeinander abgestimmten Lehrveranstaltungen anbieten können.

Wie sind Sie damals auf Jedox aufmerksam geworden?

Prof. Ginnold: Dafür muss ich etwas in die Historie gehen: Ich habe von jeher versucht, den IT-Markt im Blick zu halten und neue Software-Anbieter zu entdecken, um meinen Studierenden moderne Bordmittel mitzugeben. Für die Lehre sollten entsprechende Tools dabei schlank konzipiert und vor allem einfach bedienbar sein. Im Rahmen der Jedox-Roadshow 2008 in Berlin haben wir uns dann ein Bild von den Möglichkeiten der Jedox-Plattform gemacht. Als wir unser Interesse bekundeten, kam das Angebot von Jedox, uns kostenlose Lizenzen für die Lehre bereitzustellen – was wir nun seit über sechs Jahren dankbar annehmen.

Warum haben Sie sich dazu entschlossen, in der BI–Lehre gerade auf Jedox zu setzen?

Prof. Ginnold: Die Jedox BI-Plattform ist sehr gut dafür geeignet, den Studierenden die ersten Schritte in Business Intelligence zu erleichtern und dieses Wissen in strategische Überlegungen und Machbarkeitsstudien einzubeziehen, z.B. „Wie baue ich eine Self-Service Lösung auf? Wie kann ich BI in bestehende IT-Strukturen, etwa ein SAP BW, einbinden?“ Jedox bietet für diese Fragestellungen ein unkompliziertes Frontend, das man einfach an weitere Systeme andocken kann.

Brachte der Einstieg für Sie und Ihre Studierenden irgendwelche Hürden mit sich?

Prof. Ginnold: Nein, von Beginn an zeichnete sich Jedox als eine sehr intuitiv nutzbare, anwenderfreundliche Software aus, mit der schnell und einfach praktische Anwendungen aufgebaut werden können. Die meisten anderen Applikationen haben wir auf unseren Servern installiert, was aufgrund der komplexen Infrastruktur einer Hochschule größere Schwierigkeiten mit sich bringt. Mit den Jedox-Applikationen beschreiten wir jedoch einen anderen Weg bei den BI-Projekten: die Studierenden installieren die Jedox-Software selbstständig; das erfolgt seit eh immer ohne Probleme.

Welche Schwerpunkte setzen Sie bei der Vermittlung von BI-Themen an der HTW Berlin? Wie sieht der Lehrplan aus?

Prof. Ginnold: Der Wirtschaftsinformatik-Masterstudiengang wird seit 2007 in drei Profillinien umgesetzt, dabei hat eine Profillinie die Ausrichtung Data Warehouse-Spezialist: Datenmodellierung und Datenbanken mit Fokus auf Data Warehouse, Statistik und Data Mining, neuronale Netze u.v.m. Mein Aufgabengebiet ist in diese Profillinie integriert. Sie beschäftigt sich mit der betriebswirtschaftlichen Sicht der analytischen Anwendungen: etablierte Business Intelligence-Systeme werden kennengelernt, mit diesen im Rahmen von Fallstudien und Projekten gearbeitet. Ein solides theoretisches Fundament wird erarbeitet, praktische Übungen bereiten die Studierenden zielstrebig auf das Arbeitsleben vor. Deswegen werden an der HTW Berlin verschiedene Applikationen eingesetzt, Dashboards und Cockpits real entwickelt. Die Studierenden sollen sich mit den Trend-Themen der Branche, wie etwa „Self-Service“ und „Mobility“, praxisnah auseinandersetzen.

Können Sie uns mehr über das „Learning by doing“-Prinzip der HTW Berlin sagen?

Prof. Ginnold: Wir pflegen Kooperationen mit ausgewählten Unternehmen aus der Region sowie ganz Deutschland, um die theoretisch-methodischen Aspekte der BI mit komplexen Anwendungsfragestellungen aus der Praxis zu verknüpfen. Die Uni-BI-Projekte entstehen dabei in enger Zusammenarbeit mit mittelständischen Unternehmen, medizinischen Einrichtungen sowie Beratungsfirmen, darunter auch Global Player wie BearingPointConsulting.

Mit welchen Problemstellungen wenden sich die Unternehmen an Sie und Ihre Studierenden?

Prof. Ginnold: Firmen, die mit der HTW Berlin kooperieren wollen, sind häufig unzufrieden mit ihrem ERP-System, möchten ihr Reporting verbessern und sind auf der Suche nach einer schnellen Lösung für diese Problem. Das ist ein wunderbarer Ansatzpunkt für die Studierenden. Sie können für eine reale Aufgabenstellung Lösungsstrategien entwickeln – wissenschaftlich solide und mit einem konkreten praktischen Hintergrund -, Showcases konzipieren oder kleine Prototypen erarbeiten. Es ist eine „Win-Win“-Situation: Die Studierenden lernen, wie ein BI-System aufgebaut wird und wie man auch einzelne Applikationen miteinander verknüpfen kann, um einen Business Case erfolgreich umzusetzen. Und die Kollegen aus der Wirtschaft sind dankbar, wenn die Studierenden als solide Fachpartner Machbarkeitswege aufzeigen und Aufwandseinschätzungen erstellen – eine Arbeit, für die sonst häufig wenig Zeit bleibt.

Können Sie uns ein Projekt nennen, das besonders herausstach?

Prof. Ginnold: Die BI-Veranstaltung biete ich seit etwa sieben Jahren an. In meinen zwei Masterlehrveranstaltungen wurden jedes Semester 15 bis 20 studentische Projekte entwickelt; bei fast 300 Teilnehmenden während der letzten Jahre wurden somit sehr viele Ergebnisse erdacht. Da ist es natürlich schwer, ein bestimmtes Projekt hervorzugeben. Durchaus interessant war z.B. die Konzipierung einer Einkaufslösung für einen großen Automobilkonzern. Den Studenten stellt sich immer die Frage: „Wie bereite ich mit der BI-Anwendung die Informationen so auf, dass der Fachanwender schnell die richtigen Schlüsse ziehen kann?“ Ein wichtiger Name für das Reporting ist dabei sicherlich Prof. Hichert aus der Schweiz mit seinen SUCCESS-Charts, die in der Jedox Suite optimal umgesetzt werden können. Für die Charité Berlin haben wir zudem Informationsaufbereitungen für diese große medizinische Einrichtung konzipiert, für das Beratungshaus BearingPointConsulting eine große Testumgebung erstellt, um mit SAP Business Objects zu arbeiten.

In diesem Kontext muss ich auch die etwa 800 Abschlussarbeiten erwähnen, die ich im Laufe der Jahre betreuen durfte und von denen etliche eine analytische Anwendung, etwa Data Warehouse oder die Entwicklung von Cockpits, zum Thema hatten. Erst diesen August wurde eine Abschlussarbeit in Zusammenarbeit mit dem Kommunikationsdienstleister TeleColumbus zum Thema „Evaluation von Business Intelligence-Frontends für Self-Services in einem Großunternehmen“ eingereicht – eine spannende Arbeit!

Was war die Rückmeldung Ihrer Studenten zu der Veranstaltung und der Arbeit mit Jedox?

Prof. Ginnold: Von den Studierenden habe ich durchweg positives Feedback erhalten: Zum einen kommen sie dank der Excel-Nähe der Software gleich mit der Oberfläche zurecht, es gibt also eine geringe Hemmschwelle. Die Lernkurve ist zudem sehr steil, was die Studierenden zusätzlich motiviert. Aber es sind vor allem die vielfältigen Funktionen, die bei Jedox nutzeradäquat in eine integrierte Plattform gegossen worden sind, die die Software schlichtweg „betörend einfach“ machen. Den Studenten hat es Spaß gemacht, mit Jedox zu arbeiten, sie sind gut zurechtgekommen.

Herr Prof. Ginnold, sie selbst sind ein Pionier der Datenanalyse, haben bereits Ende der 1960er, Anfang der 70er Jahre in Berlin Ökonomische Datenverarbeitung studiert und so manche Trends kommen und gehen gesehen. BI war lange Zeit ein Nischenthema an den Hochschulen. Haben Sie während Ihrer Professur eine Entwicklung bemerkt? Wird BI im Zeitalter eines Überangebots an Informationen immer wichtiger?

Prof. Ginnold: Sie spielen sicherlich auf den „Big Data“-Hype an. Als ich begonnen hatte, mich auch mit „Big Data“ auseinanderzusetzen, musste ich schnell feststellen, dass es sich dabei eben nicht nur um die Verarbeitung großer Datenmengen handelt, sondern vielmehr die Verarbeitung einer großen Datenvielfalt zu beachten ist.
Unternehmen müssen sich zwingend mit dem Thema auseinandersetzen und zwar nicht in erster Linie als eine technologische Herausforderung. „Big Data“ muss vor allem einen Businesszweck erfüllen und nicht planlos eingesetzt werden: Sämtliche Daten, die ich irgendwo, irgendwann einmal gesammelt und aufbereitet habe, müssen auch zwingend ausgewertet werden? Das wäre der falsche Ansatz.

Was sehen Sie als geeignete Strategie für die „Datenflut“?

Prof. Ginnold: Ich versuche die Studierenden dafür zu sensibilisieren, vorab festzulegen, welche Informationen für welche Business Cases benötigt werden. Die Frage muss also lauten: Wie kann ich die Informationsmassen einschränken und sinnvoll kombinieren, damit eine Analyse zielgerichtet ausgeführt wird? Es ist doch wie im Leben: Vor dem Kochen überlegt man sich, welche Zutaten miteinander ein schmackhaftes Gericht ergeben werden. Man wirft doch nicht alles, was der Küchenschrank zu bieten hat, in einen Topf, nur weil es zur Verfügung steht.
Eine weitere Frage wäre, wie man die Datenqualität in einem solchen komplexen Gebilde absichert. Wenn ich mit den Mitteln moderner „Big Data“-Tools zig Millionen Datensätze auswerte und kombiniere, jedoch viele Daten nicht den erforderlichen Qualitätsansprüchen entsprechen, dann bringen die besten technischen Analysemittel nichts – das Ergebnis bleibt ungenau.

Sie sind Autor mehrerer BI-Publikationen und waren auch mit einem Fachbeitrag in der Schrift des „Innovationspreis IT“ vertreten, den Jedox in diesem Jahr verliehen bekommen durfte. Was ist Ihre Prognose für Anbieter von BI- und Planungs-Software? Quo vadis BI?

Prof. Ginnold: Ich sehe vor allem zwei dominierende Themen: Zum einen „Self-Service“, mit dem wir uns sowohl in der Lehrveranstaltung als auch in den Projektarbeiten stark auseinandersetzen. In Unternehmen gibt es viele heterogene Nutzergruppen, die nicht durch eine Hyperorganisation unterstützt werden müssen. Stattdessen sollen die Abteilungen selbstständig arbeiten und von einer „Hilfe zur Selbsthilfe“ profitieren können. Meiner Meinung nach ist „Self-Service BI“ ein erfolgreiches Konzept und Jedox bietet Anwendern dank der Einfachheit der Software exzellente Möglichkeiten, BI-Lösungen selbstständig aufzubauen und umzusetzen.

Zum anderen ist „Cloud-BI“ definitiv ein zukunftsträchtiges Thema, das meine Studierenden bereits durch umfangreiche Anwendungsvergleiche in der Cloud wissenschaftlich bearbeitet haben. Auch hier sehe ich großes Potenzial bei Jedox: Vor allem Mittelständler haben häufig nicht die Ressourcen und nötige IT-Infrastrukturen, um ihr betriebswirtschaftliches Problem schnell zu lösen. Cloud-Anwendungen, vor allem mit vorkonfiguriertem Content, könnten da eine große Chance bieten.

Prof. Ginnold, herzlichen Dank für das Gespräch.


 

Kurzüberblick zur Person

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Reinhard Ginnold studierte von 1967 bis 1971 Ökonomische Datenverarbeitung an der Hochschule für Ökonomie Berlin. Als Lehrbeauftragter bzw. als Gastdozent war er auf dem Lehrgebiet Betriebliche Anwendungen der Datenverarbeitung ab 1992 an der FHTW Berlin (heute HTW Berlin) tätig. Schwerpunkte seiner Arbeit sind betriebswirtschaftliche IT-Applikationen in und zwischen Unternehmen, Business Intelligence-Anwendungen sowie IT-Anwendungen im Personalmanagement.

1997 wurde er zum Professor für Wirtschaftsinformatik an der HTW Berlin berufen. Seit Oktober 2014 ist er im Ruhestand, betreut aber weiterhin die Lehrveranstaltung mit BI-Projekten sowie Abschlussarbeiten. Seit 1999 ist Prof. Ginnold zudem Vertrauensdozent der Gesellschaft der Information (GI).

 

Zum Jedox Hochschulprogramm
Die Jedox AG hat seit der Einführung des Jedox-Hochschulprogramms 2006 bislang weit über 50 Universitäten weltweit mit kostenfreien Lizenzen unterstützt. Neben der HTW Berlin nutzen u.a. die TU München, FH Köln, Hochschule Mannheim, TU Dresden, Utrecht University sowie die University of Edinburgh Jedox-Software in der Lehre. Das Hochschulprogramm des führenden Anbieters für Business Intelligence- und Performance Management-Lösungen ermöglicht es jeder staatlich anerkannten Hochschule, sich für Jedox-Lizenzen zu bewerben und diese im Rahmen von Seminaren und Projekten zu nutzen.

By | 2017-07-21T15:08:17+00:00 November 5th, 2014|Categories: Jedox News|
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