Wenn es um die Wahl der richtigen Budgetierungsmethode geht, beeinflussen der Managementstil und die Struktur eines Unternehmens die Gestaltung und Durchführung von Budgetierungsprozessen maßgeblich. Vor diesem Hintergrund stellen wir zwei Budgetierungsverfahren einander gegenüber: den klassisch-traditionellen Budgetierungsansatz und die sogenannte „Beyond Budgeting“-Methode.

Flexibler, schneller und vernetzter: Mehr denn je sehen sich heutige Unternehmen mit sich schnell ändernden Anforderungen konfrontiert. Wer am Markt gute Chancen haben und digitalen Wandel mitgestalten möchte, muss sich zügig auf den technischen Fortschritt einstellen und jegliche Unternehmensbereiche an die sich verändernden Bedingungen anpassen.

Daher verwundert es nicht, dass sich immer mehr Finanzabteilungen verschiedenster Unternehmen für neue Ansätze im Bereich von Planung und Budgetierung interessieren. Schließlich zählen sie zu den wichtigsten Controllingaufgaben überhaupt und formen die Basis für Handlungsentscheidungen auf Unternehmensebene.

Der Managementstil

Der traditionelle Budgetierungsansatz dürfte einem jeden bekannt sein. Zugespitzt formuliert beschreibt er ein Top-Down-Vorgehen und wirkt kommandierend und kontrollierend. Entscheidungen sind traditionell fest auf der Führungsebene angesiedelt. Sie übersetzt die Zielesetzungen in operative Ziele, Pläne und Initiativen für alle Abteilungen und Mitarbeiter.

Ein „Command & Control“-Ansatz zielt überwiegend auf kurzfristige Gewinne ab. Daraus ergibt sich ein entscheidender, möglicher Nachteil: Kurzfristige Ziele können sich unter Umständen widersprechen oder sogar unerwünschte Verhaltensweisen bei den Mitarbeitern fördern.

Der Ansatz des „Beyond Budgeting“ lässt sich nahezu als gegenteilig verstehen: Führungskräfte befähigen und coachen entsprechende Teams, die in ihrem Tagesgeschäft deutlich enger mit internen und externen Kunden verbunden und den sich verändernden Marktanforderungen konfrontiert sind.

Als Grundannahme dieser modernen Budgetierungsmethode gilt eine Verbesserung der Ergebnisse, da das Management die Kontrolle abgibt. Dadurch ermöglicht es den Abteilungen und Teams, ihre Kundennähe zu nutzen und autonom auf Ziele, Pläne und Initiativen zu reagieren und Einfluss zu nehmen.

Die Unternehmensstruktur

Durch den traditionellen Budgetierungsansatz erhält die Spitze einer Verwaltungsbürokratie zentralisiert Autorität. Sie gibt Ziele, Pläne und Initiativen auf mehreren Unternehmensebenen weiter. Das Mikromanagen von Geschäftseinheiten und Teams ist die Folge.

Diese zentralisierte Managementstruktur verbraucht enorme Mengen an Ressourcen, Zeit und Geld. Zudem besteht die Gefahr, dass diese Form der Unternehmensstruktur die Führungskräfte von den schnelllebigen Marktentwicklungen isoliert. Gelegenheiten werden im schlimmsten Falle verpasst und das Geschäft geht an die Konkurrenz.

Mithilfe eines eines „Beyond Budgeting“-Ansatzes verändert sich der Ort, an dem Entscheidungen getroffen werden. Die Struktur eines Unternehmens an sich bleibt dabei unberührt. Dezentralisierte Geschäftseinheiten und Teams sind nun in der Lage, autonom zu handeln. Sie erhalten die Freiheit, so zu handeln, wie sie es für richtig erachten.

Da diese Gruppen näher an den Kunden sind und täglich mit ihnen zusammenarbeiten, sind sie sich der Veränderungen der Kundenbedürfnisse stärker bewusst und in der Lage, effektiver und schneller auf diese Veränderungen zu reagieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Dezentralisierte Gruppen an vorderster Front liefern bessere Produkte und schneller Dienstleistungen.

Fazit

Weniger Bürokratie kann bessere Resultate erzielen. Durch den modernen „Beyond Budgeting“-Ansatz lassen sich die traditionellen, festen Ziele durch relative Vergleiche mit Kollegen, Benchmarks und Best Practices ersetzen. Das eröffnet ein besonderes Potenzial, ohne die Unternehmensstrukturen in ihren Grundfesten verändern zu müssen. Der „Beyond Budgeting“-Ansatz ist jedoch nicht für alle Unternehmen geeignet. So werden in jüngster Zeit Kombinationen von Top-Down- und Bottom-Up-Budgetierungsansätzen immer beliebter, um sicherzustellen, dass wertvolles Wissen aus erster Hand über verschiedene Abteilungen oder Geschäftsbereiche einbezogen wird.